Adventskalender - Wenn sich die Zeit für Kinder hinzieht

Die Mühle in Haren / Altenberge wurde weihnachtlich geschmückt und erstrahlt als riesiger Adventskalender. Foto: Volkmar Becher, CC BY-SA 2.0

Die Zeit des Wartens auf ein ersehntes Ereignis kann lang werden, vor allem für Kinder, die noch keinen Zeitbegriff haben. Für sie ist ein objektives Instrument gedacht, an dem man klar ablesen kann, wie die Zeit verstreicht und wie lange man noch warten muss: Ein Kalender, bei dem man jeden Tag schon etwas „auspacken“ darf, das sich hinter dem Türchen verbirgt, obwohl dies nicht immer so war.

Geschichte des Adventskalenders

Von evangelischer Seite wurde um 1850 der moderne Adventskalender entwickelt, der vom 1. bis zum 24. Dezember begleitet und nicht die vier Adventsonntage wie der Adventskranz, sondern den Kalendermonat zur Berechnungsgrundlage nimmt. Adventsgliederungen dieser Art scheinen aber älter zu sein, wie ein Bild des Malers Petrus Christus aus Brügge zeigt: Im 15. Jahrhundert malt er in einem seiner Bilder die Gliederung des Advents in 24 Tage. Türchen gab es bei den ersten Kalendern noch nicht, dafür waren die Methoden jedoch umso kreativer. Die damaligen „modernen“ Adventskalender des 19. Jahrhunderts erprobten das „Abstreichen“ oder „Abreißen“ der 24 Werk- und Sonntage durch Kreidestriche, Abrisskalender, stückweise Abbrennen von Kerzen mit aufgeklebter Tageszählung, Weihnachtsuhren und Weihnachtsleitern (mit Stufen für jeden Tag).

Urheber heutiger Adventskalender

Urheber der gedruckten Kalender mit Türchen, die im Gegensatz zum Adventskranz je einem einzelnen Kind gehören, scheint der Münchner Verleger Gerhard Lang zu sein, der 1908 die ersten Exemplare druckte. Diese Adventskalender, die sich vielfach bloß als „Weihnachtskalender“ verstanden, gerieten durch die Nazis von der christlichen Symbolik ab und hin zur Darstellung von Geschenken oder Märchenmotiven.

Kommerzialisierung

Die Entdeckung der Adventskalender durch die Süßwarenindustrie hat den Prozess der Entchristlichung der Kalender keineswegs aufgehalten. Der Weg durch den Advent ist mit „Kalorienbomben“ gepflastert, das ersehnte Fest wird zum Liefertermin von durch die Werbung propagierten Geschenken. Hinter jedem Türchen versteckt sich eine Schokoladentafel, Weingummi oder andere Süßwaren. Zum Sinn des Advents und des Weihnachtsfestes findet sich auf diesen „süßen“ Kalendern kaum etwas.

Adventskalender in Eupen
Selbstgestalteter Adventskalender auf dem Eupener Markplatz. Foto: Norbert Schnitzler, CC BY-SA 2.0

Neue Ideen für Adventskalender

Gedruckte evangelische oder katholische Adventskalender, die Kindern helfen wollen, den Advent bewusst als Vorbereitungszeit auf Weihnachten zu erleben, sind zwar in der Minderzahl, aber vielfach von hoher pastoraler und pädagogischer Qualität. Daneben gibt es stets neue und interessante Einfälle, die Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf Weihnachten, den Advent, zu gliedern. Jüngere Beispiele suchen neue bzw. alte Wege. Denn man kann sich gut von den ersten Kalendern inspirieren lassen und andere Formen suchen als die Klassischen mit Türchen.  Einen Adventskalender kann man backen, z.B. indem man einen Teig wie einen Tannenbaum auf der Tischfläche formt und in 24 einzelne Stückchen teilt, die jeweils nummeriert und verziert werden. Andere haben einen ganzen Wohnort in einen kKalender verwandelt. Zu jedem Tag finden sich an einer anderen, zu suchenden Stelle ein Motiv und die Teillösung einer Aufgabe, die erst am 24. Dezember abgeschlossen ist. Es gibt Gemeinden, wo man sich an jedem Nachmittag eines Adventtages bei einer anderen Familie versammelt, um bei Tee oder Schokolade zu singen oder eine Vorlesegeschichte zu hören.

© Manfred Becker-Huberti

Fotos:
Volkmar Becher, CC BY-SA 2.0
Norbert Schnitzler; CC BY-SA 2.0

Der Essener Adventskalender

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