Christbaum - Bedeutung und Ursprung

Christbaum mit Schmuck
Geschmückter Christbaum Foto: Schmidt/Adveniat

In allen Kulturen und Religionen symbolisiert der Baum das Leben; deshalb sind Bäume Göttersitze, befinden sich heilige Orte in Hainen, entstehen Gerichtslinde und Maibaum. Dies ist auch kein Wunder, wenn man die gewaltigen Bäume betrachtet, die mehrere Meter hoch sind und Zuhause und Schatten bieten. Auch in der Bibel spielen Bäume eine große Rolle: vom Paradiesbaum über den „Baum der Verheißung“ bis zum Kreuzesbaum. Innerhalb der Liturgie tauchen Bäume und Zweige auf: bei sommerlichen Festen wie Fronleichnam die Maien (frische Birken(-zweige) als Schmuck, dagegen Palmen-, Oliven- Buchsbaum- oder Weidenzweige als Ehren- und Huldigungszeichen oder als Segensträger. Immergrüne Bäume und Zweige im Winter (Fichte, Tanne, Kiefer, Eibe, Buchsbaum, Ilex, Mistel, Stechginster, Wacholder, Efeu, Kronsbeere, Rosmarin) symbolisieren das Wiedererwachen der Natur. Schon in vorchristlicher Zeit war Grün Garant der Hoffnung, dass die Natur wieder erwacht, nach den grauen Monaten ab November, bis das Sonnenlicht wieder herrscht. Dämonische Vorstellungen verbanden sich mit diesem Grundgedanken: Die Lebenskraft der immergrünen Pflanzen sollte die Dämonen verscheuchen und gute Geister beherbergen.

Vorgänger des Christbaums im Mittelalter

Im Mittelalter schmückte man Häuser und Kirche von Advent bis Lichtmess mit grünen Zweigen und immergrünen Girlanden („weyenacht meyen“). Die der ganzen Natur durch Christus zukommende Hoffnung, die in die dunkle, kalte und unerlöste Welt gekommen war, wurde damit verdeutlicht. Beim Krippenspiel wird in der Kirche ein immergrüner Baum als „Paradiesbaum“ aufgestellt, von dem an der dramaturgisch bestimmten Stelle die „Frucht“ gepflückt wurde.

Bunter Weihnachtsschmuck. Foto: Clemens v. Vogelsang, CC BY 2.0

Zunehmende Verzierung der Christbäume

Mit den Jahren wurde der Paradiesbaum immer schmucker: (vergoldete) Nüsse, Festgebäck und Süßigkeiten machten die „paradiesische“ Funktion des Baumes für die Gläubigen deutlich. In „Silber“papier und in „Gold“papier eingewickelte Früchte dieses Baumes sind so zu den Vorlagen für Christbaumkugeln und Christbaumschmuck geworden. Am Ende der Weihnachtszeit, dem 6. Januar, durfte der Paradies- bzw. Christ- oder Weihnachtsbaum geplündert oder „abgeblümelt“ werden, d.h. die Früchte wurden „geerntet“.

Entwicklung in der frühen Neuzeit

Im 16./17. Jahrhundert taucht der Paradiesbaum außerhalb der Kirche auf: bei Gemeinschaftsfeiern von Zünften und Bruderschaften. Er hat sich vom Krippenspiel abgelöst, ist Symbol der Advent- und Weihnachtszeit. 1605 ist in Straßburg der erste Christbaum aufgestellt worden, der als Gabenbaum oder Bescherbaum, aber ohne Kerzen, hergerichtet war. In einer Chronik heißt es: „Auf Weihenachten richtett man Dannenbäume zu Strassburg in der Stubben auf, daran henckett man rossen aus vielfarbigem Papier geschnitten, Äpfel, flache kleine Kuchen, Zischgolt, Zucker ...“ Diese neue Sitte fand nicht nur Freunde. Johann Konrad Dannhauer, Pastor am Straßburger Münster, polterte in einem ab 1642 erschienenen Werk dagegen: „Unter anderen Lappalien, damit man die alte Weihnachtszeit oft mehr als mit Gottes Wort begeht, ist auch der Weihnachts- und Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet, denselben mit Puppen und Zucker behängt und ihn herinach schütteln und abblümeln läßt. Wo die Gewohnheit herkommt, weiß ich nicht. Es ist ein Kinderspiel ...“

Weihnachtsbaum in einem Wohnzimmer
Festlich geschmückter Baum, aufgestellt in einem Wohnzimmer. Foto: H.Kopp, CC BY-ND 2.0

Große Bedeutung für evangelische Christen

Dennoch galt der Christbaum sehr bald in evangelischen Familien als weihnachtliches Symbol „rechtgläubiger“ Protestanten. Er wurde zum konfessionellen Gegensymbol der Weihnachtskrippe. Im 18. Jahrhundert, als die Weihnachtsfeiern zunehmend zu Familienfesten wurden, wandert der Christbaum fast konsequenterweise mit in die Wohnungen auch der einfacheren evangelischen Menschen. 1748  wurde der erste Weihnachtsbaum in Amerika bei Siedlern in Pennsylvanien aufgestellt. Eingeführt haben ihn die nach Amerika „vermieteten“ hessischen Soldaten. Heute sind die Christbäume meist so wichtig, dass sie schon im November gekauft und aufgestellt werden, statt erst kurz vor Weihnachten, um sich länger daran zu erfreuen.

Alternativen zum Christbaum mit Lichtern

Der mit Lichtern geschmückte Christbaum - die Lichtsymbolik verbindet Ostern und Weihnachten - scheint nicht überall und immer sofort mit dem Christbaum verbunden gewesen zu sein. Der preußische König Friedrich der Große (1740 - 1786) berichtet 1755 von Tannenbäumen, an denen die Eltern „vergoldete Erdäpfel“ (= Kartoffeln) aufhängen, „um den Kindern eine Gestalt von Paradiesäpfeln vorzuspiegeln“. Möglicherweise wurde die mit dem Christbaum verschmelzende Lichtsymbolik von den Lichterkronen - kronenförmige Leuchtergestelle - übernommen. Außerdem war die Lichtsymbolik im Klausenbaum lebendig.der dem Namen nach zuvor wohl mit Nikolaus verbundenen war. Der Klausenbaum ist ein mit Tannengrün oder Buchsbaum umwundenen pyramidenförmigen Kerzenleuchtergestell aus Stäben, die in vier Äpfeln steckten. Zudem trug er oben oder auf allen Seiten je eine Kerze, insgesamt meist vier. . Als Paradeisel (wohl vom Paradiesbaum abgeleitet) wird der Klausenbaum auch auf dem weihnachtlichen Tisch aufgestellt. Eine weitere Variante dieser jahreszeitlich gebundenen Lichterpyramiden stellt die Berliner Weihnachtspyramide dar, ein Bescherbaum und Leuchtergestell zugleich, wahrscheinlich dem Paradeisel nachempfunden.

Historische Erwähnung

Einen der ältesten Belege für einen Christbaum mit Lichtern - hier noch ein Buchsbaum, der noch nicht einige Meter hoch war - liefert Liselotte von der Pfalz (1652 - 1722) in einem Brief vom 11.12.1708:  „Ich weiß nicht, ob ihr ein anderes Spiel habt, das jetzt noch in ganz Deutschland üblich ist; man nennt es Christkindel. Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen. Ich erinnere mich, wie man mir zu Hannover das Christkindel zum letztenmal [= 1662] kommen ließ.“

Tannenbäume in El Salvador
Weihnachtsbaum-Verkauf am Straßenrand in der Hauptstadt von El Salvador. Foto: Pohl/Adveniat

Ausbreitung in andere Länder

Mit brennenden Kerzen bestückte Christbäume finden sich zuerst bei protestantischen adligen und wohlhabenden bürgerlichen Familien und dringen erst dann im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts zunächst in die Wohnstuben evangelischer Familien und ab dem 19. und 20. Jahrhundert in die Wohnzimmer katholischer Familien. In Österreich wurde 1816 der erste Weihnachtsbaum aufgestellt, in Frankreich 1840 - nachdem Lieselotte von der Pfalz 1710 vergeblich die Einführung versucht hatte. Durch den deutschen Prinzgemahl Albert der britischen Königin Victoria (1837 - 1901) fand der Weihnachtsbaum auch nach England. Von der Sitte, am Nachmittag des Heiligabends auf den Gräbern kleine Christbäume mit Kerzen aufzustellen, wird Ende des 19. Jahrhunderts erstmalig berichtet. Der in Bayern, Österreich und im Elsass verbreitete Brauch nimmt die Toten in die menschliche Schicksals- und Festgemeinschaft mit hinein.

Christbäume in der DDR

Da in DDR-Zeiten den dortigen Gewalthabern weder Christ- noch Weihnachtsbäume passen konnten, wobei der Begriff Weihnachtsbaum schon eine deutliche Reduzierung vom Festanlass zum puren Festtag darstellt, haben die Ideologen dem Christbaum einfach eine passende Geschichte und einen neuen Namen zugeschustert. Zunächst schnitten sie die gesamten christlichen Wurzeln des Christbaumes radikal ab und erklärten seine Vergangenheit nur noch als Festbaum der Zünfte, der zum Kinderbaum geworden sei. Eben deshalb habe ihn die Sowjetunion 1935 zu Silvester als Gabenbaum eingeführt. Natürlich war in der DDR der Christbaum als „Christ“baum untragbar: Er wurde in Schmuckbaum umbenannt.

© Manfred Becker-Huberti

Fotos:
Clemens v. Vogelsang, CC BY 2.0
H.Kopp, CC BY-ND 2.0

 

Wie Sie festliche Christbaumkugeln mit Kindern selber gestalten können und dabei auch noch Gutes tun erfahren Sie auf der Internetseite von Weihnachten weltweit – einer Aktion von Adveniat, Misereor und dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger".

|